Stellungnahme der GRÜNEN VG-Ratsfraktion zur Renaturierung des Riedgrabens

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Foto: Copyright GRÜNE MaiKiMa

Die GRÜNE Fraktion im Verbandsgemeinderat Maikammer hat der mehrere Teile umfassenden Beschlussvorlage zur Renaturierung des Riedgrabens in Kirrweiler am 27. August 2026 in allen Teilen mit Nein gestimmt – auch dem Teil zur Verkehrssicherung.
Nicht, weil wir notwendige Verkehrssicherung ablehnen. Stellen einzelne Bäume tatsächlich eine reale Gefahr dar, müssen sie selbstverständlich entfernt werden. Der vorgesehene Gesamtumfang der Eingriffe hat sich uns jedoch fachlich und ökologisch nicht ausreichend erschlossen.

Für uns ist ein Punkt besonders entscheidend: Das vorliegende Artenschutzgutachten weist gerade im betroffenen Bereich eine bemerkenswerte Artenvielfalt und zahlreiche schützenswerte Arten nach.
Die über Jahrzehnte gewachsene Gehölzstruktur mit alten Bäumen, Baumhöhlen, Kronen, Sträuchern und Totholz ist nicht einfach nur Bewuchs am Riedgraben. Sie ist bestehender Rückzugs-, Nahrungs-, Brut- und Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Auch die vorhandenen Pappeln und deren Baumhöhlen sind inzwischen Teil dieses gewachsenen Ökosystems. Eine über Jahrzehnte entstandene Baumhöhle oder Baumkrone ist kein Nistkasten und lässt sich durch einen solchen nicht gleichwertig ersetzen.

Deshalb stellt sich für uns eine zentrale Frage: Warum einen nachweislich artenreichen Lebensraum erheblich verändern, um anschließend mit Nistkästen und Erlenneupflanzungen Ersatzstrukturen zu schaffen?
Naturschutz muss aus unserer Sicht zuerst dort ansetzen, wo Natur bereits funktioniert.

Quelle Artenschutzgutachten, Sitzungsunterlagen – öffentlicher Teil: Sitzung – Rats- und Bürgerinfosystem

Der Riedgraben ist kein natürlich entstandener Bach, sondern ein Drainagegraben, der in diesem Bereich nur wenig bzw. zeitweise praktisch kein Wasser führt.
Welcher Gewässerzustand soll hier konkret verbessert werden? Und welches gewässerökologische Defizit rechtfertigt einen Eingriff dieser Größenordnung – gerade angesichts der bereits vorhandenen Artenvielfalt?
Diese Frage stellt sich auch mit Blick auf die vorgesehene Förderung über die Aktion Blau Plus des Landes Rheinland-Pfalz. Außerdem wird der betreffende Bereich im Starkenregenvorsorgekonzept der Verbandsgemeindemaikammer in der Klassifierzierung als „gering“ eingestuft. Im Maßnahmenkatalog wird dieser Bereich des Riedgrabens nicht aufgeführt. Quelle: Starkregenkonzept | Verbandsgemeinde Maikammer

Feld- und Wirtschaftswege müssen gepflegt und verkehrssicher gehalten werden. Sind einzelne Pappeln unmittelbar direkt am Weg nicht mehr verkehrssicher, können und müssen sie entfernt werden. Aber warum darüber hinaus weitere Bäume und Gehölze fällen oder Baumkronen erheblich zurücknehmen, wenn von ihnen keine entsprechende Gefährdung ausgeht?
Für uns ist das keine ideologische Frage, sondern eine Frage der Verhältnismäßigkeit.

Die Maßnahme ist mit rund 350.000 Euro veranschlagt. Bei einer Förderung durch das Land Rheinland-Pfalz über das Programm Aktion Blau Plus von bis zu 90 Prozent verblieben rund 35.000 Euro bei der Verbandsgemeinde. Doch auch Fördermittel sind öffentliche Gelder – also Steuergelder. Eine hohe Förderquote allein macht eine Maßnahme noch nicht sinnvoll.
Hinzu kommt: Die regelmäßigen Pflege- und Unterhaltungskosten nach der Renaturierung sind nach unserem Kenntnisstand bislang nicht beziffert – werden aber notwendig sein.

Kritisch sehen wir auch den zeitlichen Ablauf: Nach dem Ratsbeschluss können die anerkannten Umweltverbände ihre Stellungnahmen einbringen, während erste Baumfällungen bereits für September/Oktober 2026 vorgesehen sind. Eine fachliche Umweltverbandsbeteiligung braucht ausreichend Zeit – bevor Tatsachen geschaffen werden.

Wir sind für Renaturierung, wo sie ökologisch sinnvoll und notwendig ist. Wir sind für Verkehrssicherung und die Pflege unserer Wege.